Archiv rubriky: Deutsch

„ISIS-Gefährder“ ist man, wenn „Bild“ das sagt

Vergangene Woche Dienstag entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass Ahmet K. nicht abgeschoben werden darf, jedenfalls nicht nach Paragraph 58a des Aufenthaltsgesetzes. Das niedersächsische Innenministerium ordnete im April 2019 per Verfügung die Abschiebung des Mannes in die Türkei an, da dieser von den Behörden als islamistischer Gefährder eingestuft wurde. Für einen solchen Fall bietet der Paragraph eine Art Abschiebeschnellweg. K. ging dagegen juristisch vor und bekam Recht. In einer Pressemitteilung schreibt das Gericht:

Auch unter Berücksichtigung der von der Behörde nach Ergehen des Eilbeschlusses und der daraufhin erfolgten Entlassung aus der Abschiebungshaft vorgelegten Erkenntnisse hält der Senat für den maßgeblichen Zeitpunkt der heutigen mündlichen Verhandlung die Verfügung für rechtswidrig. Eine Gefahr i.S.d. § 58a AufenthG kann auch dann vorliegen, wenn der Ausländer zwar nicht selbst — gar vollständig oder nachhaltig — ideologisch radikalisiert ist, er sich jedoch vo..

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Polizeiliche Schuldumkehr, WhatsApp vom Prinzen, Bolsanaros Rache

1. Schuldzuweisung statt Opferschutz
(netzpolitik.org, Daniel Laufer)
Wegen einer Morddrohung habe sich die Streamerin Powny an die Bremer Polizei gewandt. Der zuständige Beamte habe sie nicht ernst genommen und mit unpassenden Bemerkungen bedacht. Die Bremer Polizei habe immerhin reagiert: „Das geschilderte Verhalten des aufnehmenden Beamten entspricht nicht unserem Verständnis von einer bürgernahen Polizeiarbeit“, so die Polizeisprecherin: „Wir arbeiten intensiv an der Aufklärung des Sachverhaltes.“ Der beschuldigte Beamte sei bis zur Klärung „von seinen derzeitigen Aufgaben mit Bürgerkontakt entbunden“.

2. Oh Lord
(sueddeutsche.de, Cathrin Kahlweit & Laura Hertreiter)
Für viele überraschend, gibt Tony Hall, Generaldirektor der BBC, seinen Posten als einer der mächtigsten Medienmanager der Welt ab. Der Sender erlebe gerade schwierige Zeiten: Teile der Politik würden ihn wegen seiner angeblich unverhältnismäßigen Brexit-Kritik boykottieren. Premier Boris Johnson stelle sogar das komp..

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Künasts Teil­er­folg, Verklagter Seehofer, Täuschende Politwerbung

1. Künast mit Teil­er­folg gegen Hass­pos­tings im Netz
(lto.de, Markus Sehl)
Die Grünen-Politikerin Renate Künast hat einen juristischen Teilerfolg erzielt: Das Landgericht Berlin ist zu der (späten) Einsicht gekommen, dass bestimmte Äußerungen über Künast keinen Sachbezug haben, sondern Beleidigungen sind. Darunter so hübsche Aussagen wie „Schlampe“, „Drecks Fotze“ und „Diese hohle Nuß gehört entsorgt, aufe Mülldeponie, aber man darf ja dort keinen Sondermüll entsorgen“. Die Bezeichnung „Stück Scheisse“ sei ebenfalls eine Beleidigung, jedoch keine Formalbeleidigung, da im Nachsatz ein „Sachzusammenhang“ hergestellt werde. Nun ja.

2. Die E-Mails des Ministers: Wir verklagen Innenminister Seehofer
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Es geht um nichts weniger als eine Grundsatzfrage: Bezieht sich das Informationsfreiheitsgesetz auch auf E-Mails von Ministern? Das Transparenzportal „FragDenStaat“ verklagt Innenminister Horst Seehofer, nachdem dieser sich weigere, E-Mails aus einem bestimmt..

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„Bild live“: „Das wissen wir noch nicht“, aber eine Sondersendung kann man ja schon mal bringen

Am vergangenen Donnerstag war großer Messer-Tag bei den „Bild“-Medien. Die „Bild“-Zeitung verkündete auf ihrer Titelseite, dass die „Messer-Gewalt“ „immer schlimmer“ werde:

Und bei Bild.de lief am Morgen die auf der Titelseite angekündigte „große Sondersendung“.

Ein paar Stunden später, am frühen Nachmittag, gab es noch eine „Bild live“-Sendung. Denn es gab einen „NEUEN MESSERANGRIFF“:

Im baden-württembergischen Rottweil hatte ein Mann eine Mitarbeiterin des örtlichen Jobcenters mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Die Frau musste per Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei konnte noch vor Ort einen Tatverdächtigen festnehmen. Und „Bild“ berichtete mit einer Messer-Sondersendung.

Diese Sendung dürfte ein weiterer Testballon der Redaktion und ein Vorgeschmack darauf gewesen sein, wie das von Chefredakteur Julian Reichelt und dem Axel-Springer-Verlag geplante „Bild TV“ aussehen könnte. Wenn das „Bild“-Team mehrere Stunden am Tag durchgängig senden möchte..

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Für ein paar Klicks einen kranken Menschen vorführen

Im Internet kursiert derzeit ein Video, das eine Frau zeigt, die sich am Flughafen von Miami auszieht und nackt durch das Gebäude läuft. Dabei singt die Frau.

Die Bild.de-Redaktion veröffentlicht diese Aufnahmen — wohl wissend, dass die Person, die dort zu sehen ist, „verwirrt“ ist:

(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag durch uns.)

Auch im Video schreibt Bild.de, dass die Frau verwirrt sei und „unter Wahnvorstellungen“ leide:

Rücksicht nimmt die Redaktion darauf nicht. Aber was ist auch schon sowas wie Menschenwürde im Vergleich zu ein paar geilen Klicks?

Mit Dank an Hauke G. für den Hinweis!

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Clearviews Gesichtserkennung, Briefmarkenformat, BND-Lehren

1. Gewaltige Fotodatenbank zeigt, wie gefährlich Gesichtserkennung ist
(zeit.de)
Laut „New York Times“ soll das wenig bekannte Startup Clearview eine Datenbank mit Milliarden Bildern von Menschen zusammengesammelt haben, die mittels Gesichtserkennung zuzuordnen seien. Clearview soll dafür Facebook, Youtube und viele andere Websites geplündert haben. Das Unternehmen biete seine Dienste sowohl Behörden als auch Privatunternehmen an. Es lohnt sich, auch den „NYT“-Beitrag im Original zu lesen. Er hat Elemente einer alarmierenden Dystopie.

2. Eine Frage der Größe
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Wenn es nach einem „Diskussionsentwurf“ des Justizministeriums zur Umsetzung des Leistungsschutzrechts geht, sollen Vorschaubilder bald nur nur noch im Briefmarkenformat erlaubt sein. Simon Hurtz erklärt Hintergrund, Zusammenhänge und Interessenlagen.

3. Wenn überall das Gleiche steht
(taz.de, Anne Fromm)
Im Osten Deutschlands schrumpft die Presse auf einige wenige Anbieter zusammen. Nach dem Verkau..

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Bis sich die Balken biegen (10)

Vielleicht braucht man bestimmte Medikamente, die derzeit nicht geliefert werden können, um dieses Balkendiagramm aus der Wochenendausgabe der „Eßlinger Zeitung“ verstehen zu können. Ohne blickt man jedenfalls nicht ganz durch:

Weitere sich biegende Balken und falsche Torten gibt es in unserem Archiv.

Mit Dank an Thomas für den Hinweis!

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Kritik an Deutscher Welle, Björn Höcke will nicht, CC-Bilderfalle

1. Macht und Missbrauch
(taz.de, Peter Weissenburger)
Der Auslandssender Deutsche Welle (DW) kommt nicht zur Ruhe. Im Hintergrund schwelt ein noch nicht geklärter #Metoo-Fall. Nun berichtet ein Whistleblower im „Guardian“ von weiteren Missständen: Dem Sender werden Rassismus, Mobbing und systematische Unterdrückung von Kritik vorgeworfen (worauf Angestellte der DW mit einem offenen Brief geantwortet haben). Die „taz“ hatte in den vergangenen Monaten Kontakt mit verschiedenen ehemaligen und gegenwärtigen DW-Mitarbeiterinnen und -Mit­ar­bei­te­rn, die von Drohungen und Machtmissbrauch sprechen.

2. Björn Höcke will doch nicht reden
(n-tv.de, Benjamin Konietzny)
Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender im thüringischen Landtag, beklage sich oft, dass viel über ihn, aber nie mit ihm geredet werde. Die Redaktion von RTL und n-tv hat sich nach eigener Aussage vier Monate lang um ein Interview mit Höcke bemüht, doch 48 Stunden vor dem abgesprochenen Termin sei überraschend die Absage erfolgt. D..

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Bundesligaspiele während der WM. Ein Wintermärchen

Die kommende Fußballweltmeisterschaft findet bekanntermaßen in Katar statt. Weil dort recht hohe Temperaturen herrschen, hat die FIFA entschieden, nicht, wie sonst üblich, im Juni und Juli spielen zu lassen, sondern vom 21. November bis 18. Dezember 2022. Das hat Folgen für die nationalen Ligen, auch die Bundesliga, schließlich sind zu dieser Zeit des Jahres normalerweise Spieltage angesetzt. Für die Deutsche Fußball Liga (DFL) stellt sich daher die Frage: Soll sie die Bundesligasaison im Winter 2022 während der Weltmeisterschaft in Katar unterbrechen, weil bei vielen Teams Spieler fehlen werden, die bei der WM für ihre Länder auflaufen? Oder andersrum:

Das fragt die „Sport Bild“-Redaktion in ihrer aktuellen Ausgabe. Sie schreibt dazu:

Bei der DFL wird deshalb ein Plan diskutiert: Die Bundesliga soll auch während der WM weiterspielen!

Werder-Manager Frank Baumann, der in der zuständigen DFL-Kommission Fußball sitzt, bestätigt den Plan. „Wir werden unsere Spieler ganz sicher nicht ze..

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„Bild“ wetzt Messer, Memes wie zu Atari-Zeiten, Sterbehilfe

1. Analyse: BILD wetzt die Messer und schneidet dabei schlecht ab …
(volksverpetzer.de, Tobias Wilke)
Im „großen BILD-Messer-Report“ geht es angeblich um die „ganze Wahrheit über die Zunahme der Gewalt“. Doch nicht alle Zahlen, die „Bild“ dabei nennt, haben auch etwas mit Gewalt zu tun. Tobias Wilke kommentiert: „Eine Bedrohung ist selbstverständlich eine sehr ernst zunehmende Straftat. Aber anders als BILD in seiner ‚Ganzen Wahrheit‘ in ihrem ‚Großen Report‘ suggeriert, wurde hier niemand abgestochen. Allein dieser Straftatbestand macht mit 1261 von 3550 Delikten im ersten Halbjahr mehr als ein Drittel (35,5%) dessen aus, was BILD als ‚Gewalt mit Messern!‘ zu verkaufen versucht. Langsam wird es einfach stumpf.“
Weiterer Lesehinweis von uns zur Messerfixiertheit der „Bild“-Redaktion: „Bild“ meldet falsche „Messer-Attacke“ auf Karamba Diaby (bildblog.de).

2. „Mitglieder müssen zahlen“
(taz.de, Peter Weissenburger)
Die Gründung des Onlinemagazins „Republik“ basiert auf einem sehr erfolg..

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„Bild“ meldet falsche „Messer-Attacke“ auf Karamba Diaby

Nachricht 1: Auf das Bürgerbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby in Halle (Saale) wurde geschossen.

Nachricht 2: Das Land Nordrhein-Westfalen präsentiert die „Gesamtjahresbilanz der Messerstraftaten 2019“ (PDF).

Auf der „Bild“-Titelseite von heute kommen beide Nachrichten vor:

… wobei die „Bild“-Redaktion die „immer schlimmere“ „Messer-Gewalt“ offenbar für ein deutlich größeres Thema hält als den Angriff mit einer Schusswaffe auf das Büro eines gewählten Parlamentariers — allein das Wort „Messer-“ ist größer als die gesamte Meldung zu Karamba Diaby auf Seite 1. (Dazu muss auch noch sagen, dass nur die aktuellen Zahlen aus Nordrhein-Westfalen die These „immer schlimmer“ nicht stützen beziehungsweise gar nicht stützen können: Sie wurden zum ersten Mal erhoben, Vergleichswerte aus den Vorjahren gibt es nicht. Außerdem heißt „Messerstraftaten“ nicht, dass es sich automatisch um „Messer-Gewalt“ im Sinne von Gewaltdelikten handelt.)

In der auf der Titelseite angekündigten „gr..

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Nazi-Vergangenheit, Kein Recht auf Vergessenwerden, Omas Väter

1. Profitierte Bauer Media Group vom Nazi-Regime?
(ndr.de, Sebastian Friedrich, Video: 6:07 Minuten)
Die Bauer Media Group ist mit 600 Magazinen in 17 Ländern das größte Zeitschriftenhaus Europas und kann auf eine fast 150-jährige Geschichte zurückblicken. In der veröffentlichten Firmenhistorie werde die Zeit des Nationalsozialismus jedoch weitgehend ausgespart. Recherchen von „Spiegel“ und „Zapp“ hätten ergeben, dass das Unternehmen in der Nazizeit den entscheidenden Aufschwung erfuhr. Nun wolle das Verlagshaus, dessen historisches Interesse bisher begrenzt gewesen sei, einen Historiker mit der Aufarbeitung der Verlagsgeschichte beauftragen.
Weiterer Lesehinweis: Ein Verlag stellt sich seiner Nazi-Vergangenheit (spiegel.de, Nils Klawitter).

2. Kein Recht auf Vergessenwerden
(jmwiarda.de, Jan-Martin Wiarda)
Nach jahrelangem Streit mit insgesamt drei Verfahren hat nun das Oberlandesgericht Frankfurt am Main geurteilt: Eine des Doppel-Plagiats (Promotion und Habilitation) bezichtigte eh..

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