1. Medienforscher Klaus Meier: „Wir erleben eine Art Sternstunde für regionalen Journalismus“
(schwaebische.de, Sebastian Heinrich)
Sebastian Heinrich hat mit dem Journalismus-Professor Klaus Meier über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Journalismus gesprochen. Meier sieht die derzeitige Situation als „eine Art Sternstunde für lokalen und regionalen Journalismus“ und begründet dies wie folgt: „Der Informationshunger der Menschen ist enorm. Viele Redaktionen greifen das auf und leisten da Bemerkenswertes. Das wichtigste Qualitätskriterium ist jetzt Vielfalt, also alle möglichen Fragen aufzugreifen: Zum Einen die Bekämpfung des Virus, die Durchsetzung der beschlossenen staatlichen Maßnahmen. Zum Anderen die Probleme und Nebenwirkungen dieses Shutdowns für die Menschen zu thematisieren: für die Menschen in den Krankenhäusern, für Unternehmer, Selbstständige, Künstler, die damit zu kämpfen haben — oder Sportler und Schüler, gerade auch Abiturienten. Die Auswirkungen zu thematisieren für psychisch Kranke, für Behinderte, für Familien in problematischen Verhältnissen. Es ist ein riesiges Themenspektrum, das jetzt auf der Straße liegt.“

2. Warum ich trotz massiver Umsatzeinbrüche keine Kurzarbeit anmelde
(journalist.de, Nikolaus Förster)
Als sich 2013 der Medienkonzern Gruner + Jahr von seinem Unternehmermagazin „Impulse“ trennen wollte, schlug der „Impulse“-Chefredakteur Nikolaus Förster zu und übernahm das Magazin via „Management-Buy-out“. Sieben Jahre später ist auch „Impulse“ ein Opfer der derzeitigen Krise und muss ums wirtschaftliche Überleben kämpfen. Förster beschreibt, was ihm in der Nacht durch den Kopf ging, als er bereits den Antrag auf Kurzarbeit auf dem Schreibtisch liegen hatte, und erklärt, warum er einen anderen Weg beschreiten will.

3. Einfach mal Danke sagen
(blog.tagesschau.de, Marcus Bornheim & Helge Fuhst & Juliane Leopold)
In schwierigen Zeiten vertrauen Zuschauerinnen und Zuschauer verstärkt auf das Nachrichtenangebot der Öffentlich-Rechtlichen. Und Tatsache: Die ARD verzeichnet mit ihren Angeboten „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ gewaltige Zuwächse. In den beiden letzten Märzwochen habe der durchschnittliche Marktanteil der „Tagesschau“ bei rund 43 Prozent gelegen. Das entspricht 16 Millionen Menschen, die pro Ausgabe eingeschaltet hätten. Die „Tagesthemen“ hätten ihre Quote, verglichen mit dem Vorjahr, um 60 Prozent steigern können.

4. Das hier ist kein Krieg
(spiegel.de, Christian Stöcker)
Im Zuge der Bewältigung der Corona-Krise verfallen viele Politiker und Politikerinnen, aber auch Redaktionen auf Stilelemente der Kriegsrhetorik. Christian Stöcker ordnet die Metaphern und das dahinterstehende Weltbild ein und schließt mit den Worten: „Eine Pandemie ist kein Krieg. Es geht nicht darum, einen Hügel zu erstürmen und von oben alle Feinde zu erschießen. Es geht nicht darum, einen Gegner mit überlegener Feuerkraft in die Knie zu zwingen. Es geht nicht um Mensch gegen Mensch, sondern um Mensch für Mensch. Kriegsmetaphern sind völlig unangemessen, egal, ob zur Rechtfertigung von Maßnahmen gegen das Virus oder zu deren Verdammung. Der Kampf gegen eine Pandemie ist das Gegenteil von Krieg.“

5. Das Zeitalter der Paywalls
(heise.de, Torsten Kleinz)
„Die Paywalls, die vielen Lesern lästig erscheinen, sind derzeit das einzige Geschäftsmodell, das die Informations-Infrastruktur mittelfristig aufrechterhält“, so Torsten Kleinz in seinen Überlegungen zur Medienfinanzierung. Die reine Werbefinanzierung von Medien habe ausgedient und der Verkauf von einzelnen Artikeln sei ein Irrweg.

6. Knallhart am Journalismus vorbei
(taz.de, Andreas Rüttenauer)
In der vergangenen Ausgabe des „Aktuellen Sportstudios“ (ZDF) gab es ein, na ja, Interview mit dem Milliardär und Mäzen des Bundesligisten TSG Hoffenheim Dietmar Hopp, das von vielen als zu unkritisch empfunden wurde. Andreas Rüttenauer kann die Rücksichtnahme auf Hopps Alter verstehen, befindet aber dennoch: „Klar, den chauffiert man nicht ins Studio, um ihn von Angesicht zu Angesicht zu befragen. Aber fragen hätte man ihn schon können. So sendete das ZDF zwei PR-Botschaften des Milliardärs und verzichtete auf die Möglichkeit zu Nachfragen. Das mit der Gesundheit des Milliardärs zu begründen, so wie es [Moderator Jochen] Breyer in seiner Anmoderation getan hat, darf man getrost als dreist bezeichnen. Mit kritischem Journalismus hat das jedenfalls nur wenig zu tun.“