1. Schuldzuweisung statt Opferschutz
(netzpolitik.org, Daniel Laufer)
Wegen einer Morddrohung habe sich die Streamerin Powny an die Bremer Polizei gewandt. Der zuständige Beamte habe sie nicht ernst genommen und mit unpassenden Bemerkungen bedacht. Die Bremer Polizei habe immerhin reagiert: „Das geschilderte Verhalten des aufnehmenden Beamten entspricht nicht unserem Verständnis von einer bürgernahen Polizeiarbeit“, so die Polizeisprecherin: „Wir arbeiten intensiv an der Aufklärung des Sachverhaltes.“ Der beschuldigte Beamte sei bis zur Klärung „von seinen derzeitigen Aufgaben mit Bürgerkontakt entbunden“.

2. Oh Lord
(sueddeutsche.de, Cathrin Kahlweit & Laura Hertreiter)
Für viele überraschend, gibt Tony Hall, Generaldirektor der BBC, seinen Posten als einer der mächtigsten Medienmanager der Welt ab. Der Sender erlebe gerade schwierige Zeiten: Teile der Politik würden ihn wegen seiner angeblich unverhältnismäßigen Brexit-Kritik boykottieren. Premier Boris Johnson stelle sogar das komplette Finanzierungsmodell der BBC infrage. Cathrin Kahlweit und Laura Hertreiter erklären Hintergründe und Zusammenhänge.

3. kontertext: Online-Zeitungen – die grosse Versuchung
(infosperber.ch, Rudolf Walther)
Anhand der Beispiele „Guardian“ und „Independent“ beschreibt Rudolf Walther, welche positiven und negativen Folgen eine Schwerpunktverlagerung aufs Digitale haben kann. Die „taz“ könne demnächst vor einem ähnlichen Umbruch stehen: „Die hohen und tendenziell steigenden Vertriebskosten und die Unwägbarkeiten der Vertriebssysteme, deren Träger unrentable Regionen lieber heute als morgen ‚vergessen‘ lassen würden, sowie der unabsehbaren Kosten und Zumutungen der Postzustellung könnten die Geschäftsführung in Zukunft zu einem radikalen Schnitt zwingen.“

4. Rache liegt in der Luft
(taz.de, Simon Sales Prado)
Der US-amerikanische Journalist Glenn Greenwald wurde international berühmt, als er als Erster die Snowden-Papiere einsah und darüber im „Guardian“ berichtete. Seit einigen Jahren lebt und arbeitet Greenwald in Brasilien und veröffentlichte dort unter anderem belastende Dokumente gegen die rassistische und neoliberale Bolsonaro-Regierung. Die könnte sich nun rächen wollen: Die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft klage Greenwald wegen „Cyberkriminalität“ an.

5. Schon drei Journalisten seit Jahresbeginn getötet
(reporter-ohne-grenzen.de)
Laut Reporter ohne Grenzen sind im Irak seit Jahresbeginn bereits drei Journalisten getötet worden: „Über die Proteste und das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte zu berichten, ist für irakische Journalistinnen und Journalisten im Irak inzwischen lebensgefährlich.“

6. Wenn der Kronprinz dir ein Video schickt
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Wenn einem jemand wie der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman per WhatsApp ein Video zuschickt, muss er es nicht unbedingt gut mit einem meinen: IT-Forensiker haben herausgefunden, dass auf diese Weise womöglich das Handy des Amazon-Milliardärs und Besitzers der „Washington Post“ Jeff Bezos gehackt wurde. Die saudische Botschaft in den USA habe die Vorwürfe als „absurd“ zurückgewiesen. Nun sollen weitere Untersuchungen folgen.